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Die Wetter – Hessens schönster Fluss: Spannende Vorträge im Kulturhaus Alte Synagoge in Münzenberg
Von links: Frank Uwe Pfuhl, Ellen Ervig und Uwe Müller (Freundeskreis Burg und Stadt Münzenberg) nahmen das Publikum mit an die Wetter – Hessens schönsten Fluss. Das Luftbild von der Kettermühle aus den 60er Jahren stammt aus dem Besitz der Familie Thomas, Matthias und Alexander Müller, Trais.
Für das vergangene Wochenende hatten der Freundeskreis Burg und Stadt Münzenberg e. V. und die Stadt Münzenberg zu zwei Vorträgen eingeladen. Im vollbesetzten Kulturhaus referierten Frank Uwe Pfuhl und Ellen Ervig zu unterschiedlichen, aber gleichermaßen spannenden Themen.
Frank Uwe Pfuhl, bekannter Landschaftsökologe und engagierter Naturschützer, widmete sich der Flora und Fauna der Wetter, die er als „schönsten Fluss Hessens“ bezeichnet. Mit eindrucksvollen Naturaufnahmen und anschaulichen Erklärungen nahm er das Publikum mit auf eine Reise entlang der 69 Kilometer langen Wetter, von ihrer Quelle im Laubacher Wald bis zur Mündung in Assenheim.
„Erst ab Laubach führt das Flüsschen ganzjährig Wasser“, erklärte Pfuhl. Dennoch zeichne sich die Wetter durch einen vergleichsweise konstanten Wasserstand aus – auch im Sommer. Dieser werde allerdings maßgeblich durch eingeleitete Abwässer aus Kläranlagen beeinflusst, weshalb die Gewässergüte zwischen den Stufen II und III schwankt. Die Zuhörerinnen und Zuhörer zeigten sich beeindruckt von den zahlreichen naturkundlichen und kulturhistorischen Einblicken, die Pfuhl auch in seinem Buch „Die Wetter – Eine Entdeckungsreise an Hessens schönstem Fluss“ ausführlich darstellt.
Nach der Pause leitete der Vorsitzende des Freundeskreises, Uwe Müller, zum zweiten Teil des Abends über. Er schilderte zunächst die Entstehung des Kontakts zu Ellen Ervig, der Tochter des letzten Müllers der Kettermühle, Richard Nagler, und seiner Frau Ella. Ein besonderes Dokument stellte ein von Ervig zugesandtes Fischereibuch aus dem Jahr 1898 dar. Darin ist detailliert festgehalten, welche Fischarten wann und wo in der Wetter gefangen wurden. Die Aufzeichnungen belegen eindrucksvoll den früheren Fischreichtum des Flusses, darunter Aal, Barsch, Nase, Rotauge, Hecht und Möhne. Anhand historischer Parzellenkarten aus dem Jahr 1911 veranschaulichte Müller anschließend Struktur und Lage der Kettermühle mit ihren Gebäuden und Zuwegen.
Im Anschluss berichtete Ellen Ervig bewegend aus dem Leben ihrer Familie. Ihr Vater habe die bereits stillgelegte und stark sanierungsbedürftige Mühle übernommen und mit großem Einsatz wieder aufgebaut. Dieses Vorhaben sei jedoch mit erheblichen finanziellen Belastungen und schwierigen Lebensbedingungen verbunden gewesen. Weder fließendes Wasser noch eine zuverlässige Stromversorgung hätten zur Verfügung gestanden; in strengen Wintern sei der Generator regelmäßig ausgefallen. Letztlich führten das Mühlenstrukturgesetz sowie zunehmende Umweltbelastungen zum Ende des Mühlenbetriebs. Dass die Trasse der Bundesautobahn 45 direkt über das Gelände der Kettermühle verlaufen sollte, habe sich für die Familie als unerwartete Wendung erwiesen: Der Verkauf an das Land Hessen habe ihren Eltern einen finanziell unabhängigen Lebensabend ermöglicht.
Zum Abschluss bedankte sich Uwe Müller gemeinsam mit dem Publikum mit großem Applaus bei den Referenten und überreichte ihnen ein kleines Präsent als Zeichen des Dankes.